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Schweigen ist Gold

 

Ein armer Schiefergräber aus Müllenbach freite ein schönes aber gleich ihm unbegütertes Dorfmädchen. Das junge Paar war sich in herzlicher Liebe zugetan und wünschte bald ein trautes Heim zu gründen, so es die dazu nötigen Taler zusammengespart haben würde. Daß dieser Zeitpunkt bei dem kargen Verdienst des Bräutigams noch in weiter Ferne lag, betrübte und bekümmerte die Liebenden sehr.

Als der junge Bergmann einst in den Stollen des Endert – und Kaulenbachtales tief unter der Erde Schiefersteine grub und in der Halbschichtpause traurig seinen trockenen Brotknausen knabberte, schlüpfte aus dem toten Nachbarstollen ein winziges Männlein. Es nahm den erstaunten Burschen bei der Hand, führte ihn durch die dunklen Gänge und dann über eine steile Strickleiter tief ins innere einer riesigen Felsenhöhle. Dort lagen hochgeschichtet gleißende Gold – und Silberschätze. Davon durfte der überraschte Bräutigam sich die Taschen vollstopfen, mußte aber dem "Kaulenmännlein" versprechen, strengstes Stillschweigen zu wahren, was der Beglückte freudig tat.

Die glanzvolle Hochzeit des jungen Schiefergräbers machte seinen plötzlichen Reichtum überall kund. Was Wunder, wenn Neider ihm das Geheimnis der Herkunft mit List zu entlocken versuchten. Aber eingedenk seines Versprechens ließ er nichts von jenem wundersamen Erlebnis im dunklen Berginnern verlauten. Schließlich löste ihm doch ein von den Neugierigen gespendetes Fäßchen Rebensaft die Zunge und verriet im Weinrausch seine Begegnung mit dem Stollenmännchen. Noch am selben Tag begleitete man den Glücksburschen in die Schatzgrube. Er sollte neue Reichtümer aus der Berghöhle fördern. Zagend wagte der Treulose wieder den Abstieg über die Strickleiter, unterdes seine Mithelfer droben in der Hauptstrecke am Förderschacht warteten. Aber sie harrten vergebens. Als sie schließlich nach dem Verbleib des Vermißten forschten, konnten sie im zerfallenen Stollengang nur noch dessen Leiche bergen. Von den beschriebenen Schätzen fanden sie keine Spur.

Das Stollenmännchen hatte sich an dem wortbrüchigen Bergmann gerächt und ihn erwürgt. Seitdem ist der Berggeist keinem der Müllenbacher und Leienkauler Schiefergräber in den tiefen Gängen und Stollen der Endertberge mehr begegnet.

 

 

 

(Quelle: Erzählung nach Alfred Lehnen im Sagenborn der Heimat, Heft 1 von 1955, Bearbeitet von Dieter Laux)

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