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ImageKatasterplan des Ortes Müllenbach 1843. Schraffiert eingezeichnet die Häuser und Gebäude, die dem Großbrand am 19. März 1843 zum Opfer fielen.



Das Großfeuer in Müllenbach 1843


Am Sonntag den 19. März 1843 geschah schreckliches in Müllenbach. Etwa gegen 11.30 Uhr, das Hochamt und die daran gewöhnlich anschließende „Gemeindeversammlung“ vor der Kirche waren beendet, als plötzlich der Ruf „Feuer, Feuer“ ertönte. Aus einem mit Stroh gedeckten Haus schlugen die Flammen, dichter , schwarzer Rauch stieg auf und hüllte das Dorf ein. Ein leichter Wind trieb Funken davon, es dauerte nicht lange und andere Strohdächer fingen ebenfalls Feuer. Die Müllenbacher Bürger versuchten zu löschen, doch all ihre Versuche waren zum Scheitern verurteilt. Der Wassertransport mit Hilfe von Ledereimern vom „Boa“ über eine Menschenkette zu den Brandstellen im „Ecken“ reichte nicht aus. Die Flammen ergriffen Haus um Haus, die Verwirrung wuchs. Feuerspritzen aus anderen Gemeinden konnten erst später zu Hilfe eilen.
Die Leute versuchten zu retten, was zu retten war. Vieh, Hausrat, Kleider, Getreide usw. Das Feuer verbreitete sich sehr schnell. Innerhalb einer Stunde hatten die Flammen viele Häuser, Ställe und Scheunen ergriffen. Nach schrecklich langen 6 Stunden war alles vorbei. 35 Wohnhäuser und 27 Scheunen waren vernichtet, für die meist armen Müllenbacher Bürger ein unvorstellbarer Schicksalsschlag.

Vor dem Brand bestanden folgende Verhältnisse in Müllenbach.
Einwohner etwa 500 – 600, Haushaltungen ca. 150. Fast alle Häuser waren mit Stroh gedeckt, wie damals allgemein üblich, trotz der nahen Schiefergruben.
Eine Wasserleitung gab es nicht, nur einige Brunnen meist im privaten Besitz, und den für alle Müllenbacher zugänglichen „Bohr“ in der Brunnenstraße. Die Feuerwehr war mit einer Spritze, Brandhaken und Ledereimern ausgerüstet. Diese Ausstattung reichte vielleicht für kleinere Brände, nicht aber für einen Großbrand wie ihn der Ort an jenem Morgen erlebte. Vorsorglich gab es ja auch „gnädigste Kurfürstliche Verordnungen“, die Brände verhindern sollten, so unter anderem eine „Wegen Taback rauchen in Scheuer und Ställen“.
Den Brand selbst und die folgenden Ereignisse schilderte Bürgermeister Driesch von der Bürgermeisterei Kaisersesch in einem Bericht an das Landratsamt in Cochem. Er schreibt:

„Die Rauchwolken waren bis Kaisersesch zu sehen. Gleich anfangs fehlte es an Ordnung und Hilfe. Jeder versuchte, zunächst sich und die Seinigen zu retten, und als ich selbst etwa 1 ½ Stunden nach der Entstehung des Brandes an der Brandstätte ankam und dieselbe, weil Feuerspritzen noch nicht eingetroffen waren, umging, fand ich diejenigen Gebäude, welche zerstört worden sind, schon sämtlich von den Flammen ergriffen“.

Bürgermeister Driesch koordinierte von da ab alle Einsätze und veranlaßte auch erste Hilfsmaßnahmen.
Nach und nach trafen die Feuerspritzen von Kaisersesch, Masburg, Düngenheim, Ulmen, Greimersburg, Alflen, Retterath und Cochem ein. Ihnen gelang es bis 17.00 Uhr, die Flammen einzudämmen und den Brand zu kontrollieren. Die Flammen hatten eine Schneise von Osten nach Westen bis fast an den Ortsrand gebrannt und alles vernichtet was ihnen in den Weg kam. Die Feuerwehren versuchten ein Übergreifen auf weitere Gebäude zu verhindern. Dies gelang der Kaisersescher Feuerspritze unter Leitung des Wilhelm Schneider. In einer Einzelaktion rettet der Zimmermeister Georg Sesterhenn an anderer Stelle das Haus des Josef Steffes-Ollig fast alleine und verhinderte ein Übergreifen der Flammen unter Einsatz seines Lebens. An der nordwestliche Seite loderten in der Nacht wieder Flammen auf, die jedoch von der Brandwache erstickt werden konnten. Auch an der Kirche entfachte ein stärker werdender Wind wieder Flammen, die die Cochemer Feuerwehr unter Leitung des Johann Becker löschen konnte.
Am Morgen danach bot sich ein Bild der Verwüstung: Verkohlte Balken, Mauerreste, zerstörter Hausrat, Asche und alles überlagert von einem beißenden Brandgeruch, ratlose verstörte Menschen, die nach noch Brauchbarem suchten. Menschenleben waren nicht zu beklagen, nur einige Verletzte, die sich bei den Löscharbeiten Verbrennungen zugezogen hatten. Folgende Schäden wurden festgestellt:

1. Gebäudeschäden (Schätzung der Versicherung) 14.390 Taler
2. Verluste an Früchten, anderen Vorräten, Ackergeräten ca. 4.000 Taler

Das Ausmaß des Brandes ist auf der beigefügten Skizze dargestellt. Sie wurde aufgrund der Brandakten sowie Katasterunterlagen von 1863 erstellt. (Die Straßenverläufe entsprechen jedoch bereits grundsätzlich den nach dem Brande vorgenommenen Verbesserungen.)

Das Feuer entstand in der Brunnenstraße „im Ecken“ (heutiges Haus Kutjer) und verbreitete sich seitwärts und in Richtung Westen. In der Karte sind die abgebrannten Gebäude schraffiert dargestellt.

Bereits am Tage nach dem Brand wurden durch Bürgermeister Driesch Hilfsmaßnahmen eingeleitet. In einem Schreiben an „sämtliche Ortsvorsteher der Bürgermeisterei“ schilderte er die Lage in Müllenbach und bat, Lebensmittel, Kleider und Viehfutter zu sammeln. Ebenso schrieb er an den Landrat und bat ihn, auch die anderen Kreisgemeinden zu einer Sammlung zu veranlassen. Er regte ferner eine „allgemeine Collecte“ in der Rheinprovinz an und bat die königliche Regierung in Koblenz, Saathafer aus den königlichen Magazinen zur Verfügung zu stellen und den Geschädigten eine Unterstützung aus dem Grundsteuer - Deckungsfond zu gewähren.

Weiter schlug er vor, daß die Forstverwaltung für den Wiederaufbau aus den königlichen Niederwaldbeständen Eichenholz zur Verfügung stellen und darüber hinaus den Müllenbachern erlauben sollte, Gras als Futter und Laub zum Streuen zu entnehmen. Der Wald von Müllenbach sei „ so sehr ausgebeutet, daß nächstens das Deputatholz für den Pfarrer und Schullehrer jährlich nicht mehr erfüllt werden kann“.

Insgesamt gingen an Collectengeldern 1.751 Taler, 26 Silbergroschen und 4 Pfennige ein. Gesammelt wurde in den Bezirken Koblenz, Trier, Aachen, Düsseldorf und natürlich im Kreis Cochem, in dem teilweise auch Naturalien (Roggen, Kartoffeln, Stroh, Hafer, Brote) gespendet wurden.
Für die Verteilung der Collectengelder wurde eine Comission gebildet (Pfarrer Steffes, Beystand Abeler, Beystand Steffes). In den Auszahlungsunterlagen sind neben den Schäden auch die Familien - und Vermögensverhältnisse aufgeführt. Ob die Vermögens und Familienverhältnisse bei der Verteilung der Unterstützungen berücksichtigt wurden darf angezweifelt werden, da einem „Ackerer und Grubenbesitzer mit ziemlichem Vermögen“ fast soviel zugestanden wurde, wie einem „armen Schieferbrecher mit großer Familie“.

Die Nachweisung enthält unter anderem folgende Beschreibung der Verhältnisse:

 Armer Schuster, 2 kleine Kinder, ernährt sich sehr kümmerlich.
 Arme Frau ohne Vermögen, sehr bedrängt.
 Bettler ohne Vermögen und Familie.
 Schneider, gutes Vermögen, große Familie.
 Metzger und Wirth, große Familie, kein Vermögen.
 Junger Anfänger, Grubenarbeiter.
 Taglöhner, ernährt sich sehr kümmerlich.
 Ackerer, mittleres Vermögen.

Die Müllenbacher dachten trotz, oder gerade wegen des Unglücks auch an die Zukunft und beschlossen, beim Wiederaufbau neue Straßen anzulegen, oder alte bestehende zu verbreitern.

Sie wählten eine „Comission“ , die von dem „Geometer Burger“ aus Cochem geleitet wurde. Diese legte am 3. April, nur 3 Wochen nach dem Brand, bereits einen Plan vor und forderten die Betroffenen auf, ihr Einverständnis bzw. Einwände binnen 8 Tagen zu erklären. Als Grundsatz galt, daß jeder mindestens eine Baustelle erhalten sollte, die die gleiche Größe hatte, wie sein Grundstück vor dem Brand und nicht gezwungen war, größere Flächen zu übernehmen. Viele waren mit den Vorschlägen der Comission einverstanden. Andere versuchten, aus dem Unglück und den damit zusammenhängenden Veränderungen auf jeden Fall Vorteile herauszuschlagen. Mit ihnen mußte gesondert verhandelt werden. Wie die Straßenverläufe vorher waren, ist nicht feststellbar. Aus den Akten geht jedoch hervor, daß einige Einwohner erst nach der Neufestlegung des Straßenverlaufs einen Zugang zur Straße bekamen.
Die Wasserversorgung, die auch bei diesem Brand eine Rolle spielte, blieb ein Problem in Müllenbach. In den späteren Jahren stritt man sich immer noch im Gemeinderat um den Bau einer Wasserleitung. Die Gegner lehnten sie mit dem Hinweis ab, daß es genügend Brunnen in der Gemeinde gäbe. Auch dieses ist eine besondere Geschichte die ebenfalls einen Beitrag erfordern würde.


(Quelle: Beitrag von Heinz Peters zur Beilage der Rhein-Zeitung, „Heimat zwischen Hunsrueck und Eifel“
Ausgabe 03. März 1993. Beigefügte Federzeichnung ebenfalls von Heinz Peters Müllenbach. Internetbearbeitung durch Dieter Laux)

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