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Es war ein schöner Sommermorgen am 18. Juni 1917. Die Sonne begrüßte den Tag mit ihren ersten wärmenden Strahlen. Auch für Peter Klasen (Hieste Pitter), aus Müllenbach, gerade 18 Jahre alt, sollte es ein besonderer Tag werden. Er war zur Musterung nach Cochem bestellt, und machte sich an diesem Morgen schon früh auf den Weg durch das Enderttal in die Kreisstadt an der Mosel. Eine militärische Musterung war für die jungen Männer in damaliger Zeit ein wichtiger Schritt in das Erwachsenenleben. So erfuhr es auch Peter Klasen.
 
Image Peter Klasen in jungen Jahren. er war beliebt bei seinen Freunden und den Bürgern des Ortes.Ihn ereilte 1917 beim Klee mähen auf der "Nick" der tödliche Blitzschlag.

Foto: Karl Jäger, Müllenbach
 
Stolz machte er sich nach der Tauglichkeitsprüfung auf den Heimweg nach Müllenbach. Peter hatte weder Mutter noch Vater, seine Eltern waren früh verstorben, er war alleine mit seiner 21jährigen Schwester. Die beiden versorgten den von den Eltern geerbten kleinen landwirtschaftlichen Betrieb. Peter hatte für diesen Tag noch einen Auftrag von seiner Schwester erhalten. Er sollte auf der "Nick" den Klee für das Vieh mähen. Es war schon später am Nachmittag als er von der Musterung nach Hause kam. Die Schwester machte ihm noch schnell etwas zu essen, bevor er sich mit seinem Cousin, der ebenfalls Peter Klasen hieß, auf den Weg zu der Wiese auf der Nick machte. Je weiter die beiden den steilen Hang hinauf stiegen, umso besser konnten sie die dunklen Wolken erkennen, die sich von Westen kommend langsam über Hochpochten zusammenbrauten. Viel Arbeit lag noch vor ihnen, wenn sie heute noch die große Kleewiese am Hang mähen wollten. Angesichts des drohenden Gewitters das sich über "Poaschten" (Hochpochten) bildete, kamen die beiden überein, zumindest so lange zu arbeiten, bis sie die ersten Regentropfen spürten. Auf der Wiese angekommen machten sie sich gleich an die Arbeit, um keine Zeit zu vergeuden. Die Schleifsteine wurden aus dem "Schlotterfahs" (mit Wasser befülltes Behältnis für den Schleifstein) genommen und glitten ueber die scharfen Sensenblätter. Nach geraumer Zeit hatten sich die Wolken dunkel und drohend über Müllenbach gelegt. In Richtung Alflen und Ulmen sah man vereinzelt die Blitze zucken, von Regen war jedoch keine Spur. Dies ermunterte die beiden ihre Feldarbeit weiter fortzuführen. Plötzlich gab es einen ohrenbetäubenden Donnerschlag, ein Blitz hatte sich aus der dunklen Wolkendecke seinen Weg zur ausgleichenden Erde geschaffen. Peters Cousin verspürte den wahnsinnigen Schlag in seiner unmittelbaren Nähe, er bemerkte aber erst nach dem er sich umdrehte, dass es seinen Freund erwischt hatte. Er lief sofort zu dem am Boden liegenden jungen Mann, um nach ihm zu schauen. Nach kurzer Beobachtung erkannte er, dass es für den Peter keine Hilfe mehr gab. Der Blitz war direkt in seinen Kopf eingeschlagen und hinterliess eine dunkel verbrannte, offene Wunde. Der Hut den er trug war von der Gewalt des Blitzeinschlages total zerfetzt und hatte sich gänzlich über den Kopf gestülpt.
Foto des Hutes, den Peter Klasen bei dem tödlichen Blitzschlag 1917 trug. Deutlich zu erkennen das der Hut durch die Gewalt des Blitzes zerrissen wurde.

Foto: Karl Jäger
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Image Auch in der Ansicht von hinten ist die zerstörerische Kraft des Blitzes gut zu erkennen.
Der Unfall ereignete sich auf dem heutigen unbebauten Grundstück im Heideweg 6. Einer Wiese zwischen den Wohngebäuden Jäger und Laux.

Foto: Karl Jäger
 
So schnell er konnte lief er zurück ins Dorf, um der Schwester des Peter von dem Unglück zu berichten. Sofort machten sich einige junge Männer auf den Weg auf die Nick um zu sehen ob der "Hieste Pitter" tatsächlich nicht mehr zu retten sei. Auch die Schwester und alle anderen schnell herbei geeilten Helfer konnten nichts mehr für den Peter tun. Er war Opfer eines heimtückischen Trockengewitters geworden.
Gemeinsam trugen sie die Leiche in den Ort und bahrten sie im Hause der Familie auf. Nach drei Tagen wurde Peter Klasen durch Pfarrer Cornelius Mehren auf dem Müllenbacher Friedhof beigesetzt. Der Zug der Trauergäste war lang, wie immer wenn es einen beliebten jungen Menschen aus der Mitte des Lebens reißt.



(Text: Dieter Laux, nach den Erzählungen von Karl Jäger (Poss Karl) )

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