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Am Bildrand das alte Müllenbacher Pfarrhaus, wie es noch in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts stand. Die beengten Räumlichkeiten mit denen sich der Offizier eines preußischen Garderegiments bei seiner Einquartierung 1887 begnügen musste, sorgten indirekt für den späteren Neubau des heutigen Pfarrhauses. Image
 

 

 

 

Das Müllenbacher Pfarrhaus

In den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts amtierte in Müllenbach Pfarrer Matthias Weber (gebürtig in Körrig, Kreis Saarburg, zuletzt Pastor in Landkern, gest. 1935 im 84. Lebensjahr), und zwar von 1884 bis 1892. Ein Jahrzehnt vorher, 1875 im Kulturkampf, hatte er als erster Priester der Dioezese Trier bei den 69ern als Soldat gedient und war mit dem Offiziers - Patent abgegangen. Daher hing auch der Degen über seinem Schreibtisch, und weder Amerikaner noch Franzosen tasteten ihn nach dem ersten Weltkrieg dem Pfarrer von Landkern an.
Pastor Weber erhielt im Kaisermanöver 1887 in sein altes, fast baufälliges kleines Müllenbacher Pfarrhaus als Einquartierung zwei Offiziere des Stabes eines vornehmen Garderegiments. Einer von ihnen schlief in dem engen Fremdenzimmer, dass nur Raum für ein außergewöhnlich kurzes Bett bot. Es klingt wie im Märchen, ist aber als Tatsache verbürgt, dass der lange Gardist seine Beine über den unteren Bettrand und seine Füße über das schmale Fensterbrett legen mußte. Er tat es mit einem heldenhaften, sagen wir, Galgenhumor.

 

 

 
Image Das neue Müllenbacher Pfarrhaus von 1895. Den Bau des heutigen Pfarrhauses haben wir dem preußischen Gardeoffizier zu verdanken, dem die Gastlichkeit des alten Pfarrhauses gänzlich missfiel.
 
Beim Abschied besichtigte er das ganze Haus und meinte, es sei eines so stattlichen, gastfreundlichen Pfarrers und ehemaligen Soldaten unwürdig. Bei seinen guten Beziehungen zu den höchsten Regierungsstellen wolle er der Pfarrgemeinde, die wohl selbst dafür zu arm sei, zu einem Neubau verhelfen.
Und siehe da: Als Sohn einer beim kaiserlichen Hof angesehenen gräflichen Familie fand er Gehör. Zur Jahrhundertwende, 1895, erhielt Müllenbach unter Pastor Webers Nachfolger Joh. Hugo Kirchgässer (1892 bis 1901) sein heutiges Pfarrhaus, zu dessen Kostendeckung die Pfarrei tatsächlich nur wenig beizusteuern brauchte.


Quelle: Kreis Jahrbuch Cochem-Zell 2002, Erzählung von Wilhelm Hay (+)

Internetbearbeitung: Dieter Laux


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